Wir trauern um Lamin aus Passau

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Am Donnerstag ist in Passau Lamin gestorben, ein 20-jähriger junger Mann aus Sierra Leone, nach langem Leiden und Leidensweg.

Beerdigung / funeral :
Mittwoch/Wednesday, 07.03.2018
um/at 14.30 Uhr (2.30 pm) in Hutthurm

Er war vor Verfolgung aus seinem Land geflohen, war nach einer halbjährigen Flucht im Dezember 2016 erstmals nach Deutschland gekommen, und dachte, er sei nun in Sicherheit. Auf der Flucht war er eine Zeitlang in einem der berüchtigten Lager in Libyen gewesen, hatte eine dramatische Überfahrt nach Italien überlebt. Angekommen in Deggendorf wurde er medizinisch untersucht, seine Hepatitis-Erkrankung im Januar 2017 diagnostiziert, so sagen seine Freunde. Offenbar wurde er aber nicht ernsthaft therapiert und seine lebensbedrohliche Krankheit nicht ernst genommen.

Trotz des erkennbar schweren Verlaufs der Erkrankung wurde er dann im Spätsommer 2017 nach Italien abgeschoben aufgrund der umstrittenen Dublin-Verordnung. Die Polizei kam um 2 Uhr in der Nacht ohne Ankündigung. Seine Freunde erzählen, er hätte noch auf dem Weg zum Flughafen den Polizisten von seiner Erkrankung erzählt, dass er einen Arzttermin habe und ihnen die Bestätigung gezeigt. Darauf hätten sie gesagt, sie würden ihn nun zu einem Arzt fahren, brachten ihn aber direkt zum Flugzeug nach Frankfurt.

In Mailand musste er – wie die meisten der von Deutschland zurückgeführten Flüchtlinge – auf der Straße leben, bekam keinerlei medizinische Behandlung. Sein Zustand hat sich dort sehr verschlechtert. Nach drei Wochen gelang es ihm, nach Deutschland zurückzukehren.

Es ging ihm immer schlechter. Anfang Januar wurde er in das Klinikum Passau aufgenommen, wo die Ärzte ein fortgeschrittenes Leberkarzinom feststellten mit Metastasen in der Wirbelsäule, die schwere Schmerzen ausgelöst hatten. Er war trotz allem medizinischen Einsatz des Klinikums nicht mehr zu retten. Von einer ehrenamtlichen Hospizhelferin, einer Ärztin aus Passau, wurde er liebevoll begleitet. Es konnte am Ende verhindert werden, dass er zum Sterben zurück in eine Flüchtlingsunterkunft mit Mehrbettzimmern gebracht wurde.

Wir wissen nicht, ob die Abschiebung des schwerkranken Lamin nach Italien hauptursächlich für seinen Tod gewesen ist, es ist aber sicher, dass er bei ausreichender medizinischer Betreuung vor der Abschiebung nach Italien und ohne das Leben auf der Straße in Italien eine Chance gehabt hätte, noch länger in Würde zu leben, vielleicht überleben zu können.

Lamin ist kein Einzelfall. Wir erhalten immer wieder Berichte, dass in Deggendorf und den großen Lagern keine oder nicht ausreichende medizinische Versorgung für Traumatisierung oder Erkrankung gegeben wird. Der Zugang zu Ärzten wird offen be- und verhindert.

Es kann nicht sein, dass das BAMF in Deggendorf und die zuständige Ausländerbehörde, die ZAB Niederbayern, angeschlagene oder kranke, hier schwerkranke Menschen auf die Straße nach Italien schickt. Jeder in den Ämtern und den zuständigen Ministerien kennt die Zustände in diesem von der Migration überforderten Land, das die Rückkehrer nicht betreut.

Wir fordern

  • die Etablierung einer ausreichenden medizinischen Betreuung in Deggendorf und anderen Lagern.
  •  die Schließung solcher Großeinrichtungen und die Rückkehr zur dezentralen Unterbringung
  • die Untersuchung des Falles von Lamin, der Gründe, warum er trotz bekannter Erkrankung abgeschoben wurde, auch des Verhaltens der Polizei
  • die sofortige Aussetzung der Abschiebungen nach Italien, solange Menschen dort unversorgt auf der Straße landen.

Wir trauern alle um Lamin. Unsere Gedanken sind bei seinen Freunden.

Anfang der nächsten Woche soll die Beerdigung und Trauerfeier in Passau sein.

Wir wünschen uns die Rückkehr zu einer humanen, christlichen Flüchtlingspolitik, die eine menschliche Behandlung und Aufnahme der Schutz suchenden Menschen sicherstellt, die ihnen Perspektiven und Integration eröffnet, und die bei unvermeidlichen Abschiebungen auch in den Heimatländern eine neue Zukunft mitgestaltet.

Stephan Theo Reichel
matteo – Kirche und Asyl
Kurator und Geschäftsführer